Donnerstag, 28. Mai 2009

Tom (A)


Noch dreizehn Minuten und der verdammte Tag war endlich geschafft. Nach unendlich erscheinenden Stunden voller Stress und dauerndem Hin und Her war es Tom vergönnt das schließlich abzuschließen. Die Kneipe, in der er sich verkrochen hatte, roch nach altem Holz und war urig und dunkel eingerichtet. Er saß nun schon seit mehreren Stunden an der Bar zwischen einer Handvoll anderer verlorener Gestalten, die wie er ihren Tagesfrust im Glas zu ertränken versuchten. Tom war direkt nach der Arbeit hierher gekommen und war ziemlich erfolgreich darin gewesen sich gezielt ein Bier nach dem anderen zu bestellen. Das Ergebnis war für ihn zwar keine Erleichterung, allerdings hatte er diese auch nicht gesucht. Das einzige was ihn interessierte war es die Zeit bis zum nächsten Tag zu überstehen. Ich krieg noch eins“ rief er dem Barkeeper herüber und schob sein leeres Pils von sich und steckte sich eine neue Marlboro Zigarette an. Früher hatte er leichtere geraucht aber wie bei jeder Sucht kommt irgendwann der Punkt, wo man die Dosis erhöhen muss. So war er von Light auf Normal umgestiegen bevor er Sechszehn geworden war und mit Sicherheit seit dem durch das Rauchen ohne Schwirigkeiten um fünf Jahre gealtert. Mit einem freundlichen Bidde Alda“ schob ihm der Barmann das frische Bier hinüber. Tom nickte kurz und stürzte die Hälfte mit dem ersten Schluck herunter. Er war schon lange nicht mehr wegen dem Geschmack dabei. Hier ging es um sinnlose Vernichtung. Das Vergessen vom Bewusstsein. Die Benebelung der Realität.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er es nun endlich geschafft hatte. Zwölf Uhr. Tom seufzte tief und trank den Rest des Biers. Mittlerweile hatte er schon eine neue Kippe angezündet. Er kämpfte sich vom Barhocker auf und knallte einen Hunderter auf den Tresen. Der Rest is’ für dich.“ Der Barmann machte große Augen. Vielen Dank!“ freute er sich. Tom hatte nur für circa siebzig Euro getrunken. Soll ich dir ein Taxi rufen?“ fragte der Barkeeper Tom freundlich mit einem etwas besorgten Unterton. Tom stand etwas wackelig am Tresen und blickte nicht mehr wirklich genau dahin wo er es vielleicht vor gehabt hatte. Ne du“ antwortete er ich habs’ nicht weit. Ich lauf das locker noch!“ Mit diesem Worten drehte er auf dem Punkt um und schwankte zur Tür. Alles was ihn jetzt noch interessierte war sein Bett und der angebrochene Tag. Der letzte war die Krönung einer unendlich langen Reihe von verkackt schlechten Tagen gewesen. Jetzt hieß es für Tom nach vorne zu schauen. Vor allem hieß es für ihn nun den Gehweg nicht zu verlassen und den geraden Weg zu finden, was ihm zu sehen schwerer fiel. Am Ende kam er an seiner Wohnung an und fiel wie ein Stein in sein leeres Bett. Wenige Sekunden später war er eingeschlafen. Er war allein und die Suche nach dem Glück im Dunkel der Träume begann aufs Neue.